DÉSIRÉE NOSBUSCH

Der erste freche Teeny im Fernsehen

Von der Wirkung, die von ihren Moderationen ausging, war Désirée Nosbusch in den ersten Jahren regelrecht verblüfft. Gerade fünfzehn, hatte sie in "Hits von der Schulbank" beispielsweise ein junges Mädchen zu Gast, das nicht als Beamtin eingestellt wurde - aufgrund seines Übergewichts. Ehrlich empört über diese Dienstanweisung der Staatskanzlei München, telefonierte sie mit Franz-Josef Strauß. Und sagte dem für seinen Jähzorn bekannten Ministerpräsidenten unbekümmert: "Schauen Sie sich an. Sie sind ja nun auch nicht gerade der Schlankste." Was der Livesendung 1980 folgte, weiß sie noch genau: "Ich wurde mit einer Eskorte von Sicherheitsbeamten aus dem Studio geholt und ins Hotel gebracht und verstand die Welt nicht mehr, weil es Morddrohungen gab. Wäschekorbeweise gingen in den nächsten Tagen Bedrohungen ein."
Désirée Nosbusch war die erste freche Jungmoderatorin im deutschen Fernsehen. Ein kess-vorlauter Teeny, der viele Zuschauer zu Wutausbrüchen trieb.

"Schickt diese Désirée in die Wüste oder noch weiter"

Bald um ihre polarisierende Wirkung wissend, ließ sie sich schließlich in der Musikshow "Musicbox" eine besondere Aktion einfallen. Um Star-Souvenirs zu gewinnen, sollten die Zuschauer eine Kurzkritik über die Sendung schreiben. Die extremsten Texte las die Tochter eines luxemburgischen LKW-Fahrers dann zu Beginn der nächsten Sendung vor. "Sehr geehrte Damen und Herren. Schickt diese Désirée in die Wüste oder noch weiter" war da noch einer der harmloseren Kommentare. Eine der folgenden "Musicboxen" eröffnete die angstfrei wirkende Moderatorin daraufhin mit einem Pflaster auf dem Mund: "Viele möchten es sicherlich lieber so haben".


Auch bei Radio Luxemburg, wo sie bereits mit zwölf Jahren Kindersendungen moderiert hat ("Es war faszinierend, dass ich mich auf einmal in einer Welt bewegte, wo mir zugehört wurde") eckte Désirée Nosbusch nicht selten an. Als sich am "Kindertag", an dem den ganzen Tag lang Kinder mitmoderierten, beispielsweise ein Techniker weigerte, während der Sendung Kinder an sein Schaltpult zu lassen, rastete sie vor offenem Mikrofon aus: "Ich finde, solche Leute sollten überhaupt nicht bei einem Sender arbeiten dürfen."


Désirée Nosbusch war mutiger als alle anderen. Und weil sie darüber hinaus auch noch unheimlich schön war, gab es wohl keinen gleichaltrigen Jungen, der glaubte, ihr das Wasser reichen zu können. Als sie dann auch noch in ihrem ersten Kinofilm "Nach Mitternacht" (1981) kurz nackt zu sehen war, für den Playboy posierte und in ihrem zweiten Kinofilm "Der Fan" (1981) lange nackt zu sehen war, waren viele ihrer männlichen Fans völlig hinüber.


Inhaltlich sorgte "Der Fan" allerdings auch für Furore: Désirée Nosbusch spielte darin ein Groupie, das eine Nacht mit seinem Star verbringt, dann jedoch links liegen gelassen wird und ihn deshalb umbringt, zerstückelt und isst. In späteren Jahren tauchte der Streifen nirgendwo mehr auf. Insider berichten, sie habe die Rechte erworben und den Film seither unter Verschluss gehalten. Warum dann Ende 2001 eine "Der Fan"-DVD erschien, ist allerdings unklar.


Die Schlagzeilen 1982 überschlugen sich auf jeden Fall. Ihre Jobs als Moderatorin war Désirée Nosbusch indes los: "Ich war ziemlich schnell von der Antenne verschwunden, nachdem die Nackt-Szenenfotos von ´Nach Mitternacht` in der Presse waren. Als Aushängeschild der Jugend durfte man das irgendwie nicht."
Stattdessen ging sie nach New York (siebzehnjährig!) und studierte am Herbert-Berghof Studio Schauspiel - um es anschließend 1984 allen zu zeigen. In diesem Jahr führte sie - mit dem Abschluss in der Tasche - vor fünfhundert Millionen Fernsehzuschauern durch den "Grand Prix d´ Eurovision de la Chanson". Viersprachig! Seit diesem Triumph galt sie als Idealbesetzung für festliche Galas und Preisverleihungen. Jung, aber professionell. Bekannt, aber nicht verbraucht. Charmant, aber nicht bieder.


Frech war Désirée Nosbusch seit 1984 im Fernsehen nicht mehr. Nur noch freundlich und frisch - bei der BR-Talkshow "Liebesbarometer" ebenso wie bei der Tele 5-Spielshow "Kinder Ruckzuck", beim RTL-Tiermagazin "Natürlich" und bei der nach einer Folge wieder vom Bildschirm verschwundenen zähflüssigen ARD-Europa-Show "Made in Europe". Verbindlichkeit war stets garantiert.

In den USA unterzog sie sich einer Psychotherapie

Für Rebellentum steht die Moderatorin heute nicht mehr - augenscheinlich auch nicht privat. Nachdem 2002 ihre elfjährige Ehe mit dem Filmmusik-Komponisten Harald Kloser auseinander gegangen war, sagte sie der Bunte: "Vielleicht habe ich ja auch nie meine Wünsche geäußert und gesagt, was mir nicht passt. Das ist manchmal mein großes Problem, weil du praktisch vom anderen verlangst, dass er deine Gedanken lesen soll." Kurz vorher bekannte sie in der Talkshow "Beckmann": "Ich möchte keinen Tag zurück. Ich mochte mich lange Zeit selbst nicht und wusste nicht, wer ich bin. Inzwischen wird Außen und Innen immer mehr eins." Anteil daran habe auch eine Therapie, der sie sich in den USA unterzogen hat: "In Amerika ist das ja nichts Ungewöhnliches. Ich wollte einfach jemanden bezahlen, der mir zuhört."


Ausgeglichen wirkt sie inzwischen tatsächlich als Moderatorin. Die Berufsbezeichnung in ihrem Reisepass lautet indes nicht "Moderatorin" oder "Entertainerin", sondern "Cineast". Rund zwanzig Filme hat Désirée Nosbusch bislang gedreht - in unterschiedlicher Qualität. Eine zweiminütige Sauna-Szene in dem Horrorfilm "Hitchhiker" (1986) gehört ebenso zur Vita wie "Good Morning Babylon" (1986), "Three steps to heaven" (1993) "Contaminated Man" (1999) an der Seite von William Hurt und der Kino-Thriller "Feindliche Übernahme" (2000). Im Fernsehen war sie u.a. in "Die Klette" (1986), "Böses Blut" (1991), "The Way To Dusty Death" (1997), "Der Opernball" (1997), "Geheimnis des Lebens" (2002), "Baby Jane" (2003) und "Ein Alptraum von dreieinhalb Kilo" (2003) zu sehen und spielte in der ARD-Serie "Die Kinderklinik" eine Ärztin. In Italien wurde sie zudem mit der TV-Serie "Piazza di Spagna" (1993) populär. Ihr Debüt als Regisseurin hatte sie 2001 mit dem Kurzfilm "Icecream": der Abschlussarbeit ihres dreijährigen Regie-Studiums an der UCLA-University of Southern California.


Dass sie 1994 keinen Film drehte, hat einen eher unbekannten Grund. In diesem Jahr lief sie mit Karacho durch eine Glastür und trug schwere Gesichtsverletzungen davon. "Ich dachte, die Karriere wäre vorbei", erinnert sie sich. Ein Schönheitschirurg richtete ihr Gesicht jedoch in drei Operationen wieder her - derselbe Chirurg übrigens, der auch Michael Jackson operiert hat.


Ansonsten hätte Désirée Nosbusch allerdings auch immer noch ihre Sprechertätigkeit forcieren können, die ebenfalls erfolgreich war. Ihre Hörspiele "Theorie der völligen Hilflosigkeit" (1994) und "Das Kind hinter den Augen" (1995) wurden beide zum ORF-Hörspiel des Jahres gewählt. Nur als Sängerin war sie nicht sehr erfolgreich: Sowohl "Was du gern möchtest" als auch "Kann es Liebe sein?" (1984) zusammen mit Falco wurden keine Hits.


Désirée Nosbusch ist seit 1991 verheiratet mit dem Komponisten Harald Kloser, von dem sie sich jedoch 2002 getrennt hat. Seitdem lebt sie zusammen mit dem "Orange Blue"-Sänger Volcan Baydar. Ihre Kinder heißen Lennon-Noah und Luka-Theresa.
Homepage: http://home.knuut.de/jholzl, geboren: 14.01.1965 in Esch (Alzette)/Luxemburg

 

Moderierte Sendungen:

Spielexpress (ZDF,), Hits von der Schulbank (ZDF, 1980), Hits mit Desiree (ZDF, 1980), Musicbox (ZDF, 1982), Désirée darf das (WDR), Grand Prix d´ Eurovision de la Chanson (ARD, 1984), Bambi-Verleihung (1984), Stars in der Manege (1984), Ein Abend in Bejing (ARD, 1987), Top Spot (ORF, 1988-91), Liebesbarometer (BR, 1990/91), Kinder Ruck Zuck (Tele 5, 1993), Premiere in Hollywood (Premiere, 1993/94), Natürlich! Das Tiermagazin (RTL, 1996/97), Expo 2000 - Pop meets Classic (ZDF, 2000), Rock´n´Roll Circus (Arte, 2000), Die goldene Kamera (ZDF, 2001/02), Geben Sie uns den Rest (ZDF, 2001), Made in Europe (ARD, 2002), Danke, Karl-Heinz Böhm (ZDF, 2002), Verleihung des bayerischen Filmpreises (BR, 2003), Alles Gute, Karlheinz Böhm (ZDF, 2003)